Wilhelmine Badl ist eine Grazer Bildhauerin, derer als einer unbekannten, steirischen Künstlerin von vielen in der Ausstellung Ladies First! in der Neuen Galerie Graz gedacht wird.

Sie ist Hungers gestorben, zwar beklatscht aber nicht remuneriert. Frauenschicksal?

Es ist nervig, dass ich immer auf solche Einzelfälle hinweisen muss. „Du bist zwanghaft!“ sagen Menschen, die es gut mit mir meinen, zu mir. Aber ist es wirklich so falsch, von einer auf alle zu schließen? Reale Frauen, Frauen wie du und ich, werden in Österreich in statistisch berechneter Regelmäßigkeit getötet, daher liegt es wohl auf der Hand, dass Handlungsbedarf besteht.

Wie viele Frauenkarrieren abgetrieben werden (ja! weggemacht statt ausgelebt), scheint niemanden zu interessieren. Erst wenn die Frau wirklich tot ist, wird darüber nachgedacht, was da passiert sein könnte. Wie bei Wilhelmine Badel, deren Wiki-Eintrag so kurz ist, dass man sich wundern muss, wenn man ihr Werk betrachtet. Warum ist die Frauensuizidrate so hoch? Weil Frauen nicht genügen können, weil sie keinen Platz finden, dort wo sie ihn doch finden sollten: am Tisch der gleichberechtigten Gesellschaft eines geeinten Europas. Frau Badel ist wenigstens das erspart geblieben. Das Gerede vom geeinten Europa und: Sie musste nicht Hand an sich legen. Verhungern ist heute schwerer als Selbsttötung, wenngleich auch in Europa nicht unmöglich.

Seit der #metoo-Debatte zeigt sich die Öffentlichkeit aufmerksamer gegenüber Diversität und Geschlechtergerechtigkeit. Im Fall der Skigröße Renate Götschl konnte man gerade wieder einmal  live miterleben, wie Frauen mit Ehren bedacht werden, während Männer die richtig fetten Jobs absahnen. Und sie freuen sich darüber. Wer? Na, beide. Die Frauen und die Männer.

Annalena Baerbock möchte man die Kanzlerinnenkandidatur madig machen. Nicht nur, weil sie ihr Studium nicht abgeschlossen hat. Die armen Kinder! Wer welche will, soll sich gefälligst auch darum kümmern. Sollen die armen Kleinen ausbaden, dass die Mama karrieregeil ist? Ich denke, meine Kinder wären mir nicht böse gewesen, wenn ich mit einem Kanzlerinnengehalt nicht ganz so viel Zeit für sie gehabt hätte.

Mit „Frauen schreiben Wiki“ widmet sich Nowa Graz einem virulenten Problem. Es ist nämlich nicht so, dass Frau Badl die einzige ungewürdigte Künstlerin ist, wie wir spätestens seit Gertraud Klemms Hippocampus wissen. Die Tatsache, dass kaum Frauen Nobelpreise innehaben, besagt nicht, dass unsere Töchter ebenso schlechte Chancen haben müssen, wie ihre Großmütter, in der Hall of Fame verewigt zu werden. Aber wenn wir diese Bemühungen jetzt nicht unterstützen, in die Knie gehen wie die Grünen und statt Gerechtigkeit zu tun, nur mehr davon reden, wie leicht doch Gerechtigkeit auch von anderen in der Demokratie Lebenden zu schaffen wäre, dann wird es eng.

Ö1 und Arte, meine Lieblingssender, geben sich Mühe und kommen mittlerweile schon auf 30-40% mehr Frauen als in den letzten 20 Jahren. Manchmal hört man Stücke von Komponistinnen, ohne dass extra darauf hingewiesen wird, dass das Stück aber jetzt tatsächlich von einer Komponistin ist. Manchmal wird ein Vorstandsmitglied gewählt und es handelt sich um eine Frau, ohne dass daraus ein großer Zirkus gemacht wird. Wir wollen keine Quote, wenn wir mitmachen können, wo wir mitmachen wollen. So toll kann die Quote auch gar nicht sein, dass sie das Unrecht, das unseren Vorfahrinnen in den letzten Jahrhunderten widerfahren ist, wieder wettmacht.

Ein vernünftiges Augenmaß und Hausverstand werden ausreichen, um bei einem Blick auf whatever zu sehen, ob Chancengleichheit mitgedacht ist oder nicht. In unseren Familien, in unseren Interessensvertretungen, in unseren Landesregierungen, in Europa, in Kunst und Kultur, in Wirtschaft und Wohlfahrt. Wir denken an unsere Töchter, aber der ganze Planet ist mitgemeint.